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Predigt von Pf. Martin Schulz

Predigt 20. n. Trinitatis
am 17.10.2021 in der Friedenskirche über 1. Mose 8,18-22


 Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht am Ende
der Sintflutgeschichte im 1.Buch Mose, Kap 8, Vers 18-22:


Da ging Noah mit seiner Familie aus der Arche,
und auch die Tiere kamen heraus, alle die verschiedenen Arten.
Noah baute einen Opferaltar für den HERRN. Dann nahm er welche von allen reinen Tieren und allen reinen Vögeln und opferte sie darauf als Brandopfer für den HERRN.
Der HERR roch den besänftigenden Duft des Opfers und sagte zu sich selbst: »Ich will die Erde nicht noch einmal bestrafen, nur weil die Menschen so schlecht sind! Alles, was aus ihrem Herzen kommt, ihr ganzes Denken und Planen, ist nun einmal böse von Jugend auf. Ich will nicht mehr alles Leben auf der Erde vernichten, wie ich es getan habe.
Von jetzt an gilt, solange die Erde besteht:
Nie werden aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze,
Sommer und Winter, Tag und Nacht.«


Liebe Gemeinde!
 Da gehen sie heraus, er und seine Frau. Sie bleiben
stehen, drehen sich um - schauen noch einmal zurück.
Er atmet hörbar aus, gerade so, als wolle er alles
Zurückliegende dabei loslassen, und sagt:
"Gott sei Dank!"
Und sie denkt sich: "Hoffentlich passiert das nie
wieder!" Er legt seinen Arm um ihre Schulter. Sie schiebt
ihren Arm um seine Taille. In der anderen Hand trägt
jeder einen Koffer. So gehen sie zum Auto. Schweigend und erleichtert.
 An der ersten Kirche, an der sie vorbeikommen, hält er
den Wagen an. Sie betreten die Kirche und setzen sich in
eine der vorderen Bänke. Schweigend sitzen sie da.
Betrachten das Kreuz, den Altar, hören auf ihre Gedanken:
 "Ich lebe! Sitze hier. Meine Frau neben mir. Danke!
Es war furchtbar. Es kam so plötzlich. Seit 23 Jahren war
ich nicht mehr krank. Na gut, ab und zu ein kleiner Druck
in der Brust. Aber der hat ja immer wieder aufgehört.
Aber der Ärger im Büro in letzter Zeit, der Tod meiner
Mutter. Das war zuviel. Furchtbarer Schmerz in der Brust.
Krümmen - zu Boden gehen - keine Luft mehr kriegen. Dann:
Angst - Dunkelheit. Was dann war, weiß ich nicht mehr.
Erst wieder das Öffnen der Augen. Schmerzen - aber ich
lebe. Jetzt sitze ich wieder hier - zwei Wochen nach
meinem Herzinfarkt. Ich bin noch einmal davongekommen.
Gott sei Dank!"
 Liebe Gemeinde, sie werden sich fragen, warum ich Ihnen
diese Geschichte erzähle. Ich meine, dieser Mann hat
etwas Ähnliches erlebt wie Noah. Auch er hat eine
Bewahrung erlebt, seine Bewahrung in seiner persönlichen
"Sintflut". Dies ist eine Noah-Geschichte, die sich so in unseren Tagen hätte abspielen könnte.
 Vielleicht haben Sie eine solche Noah-Geschichte auch schon an sich selbst erlebt. Vielleicht erinnern Sie sich an eine
Zeit, an eine Situation, in der das Unglück sintflutartig
auf Sie einstürzte und Ihnen das Wasser bis zum Hals
stand. Und vor allem: was war das für ein Gefühl, als Sie
da wieder herauskamen? Wissen Sie noch, wie es war,
wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren? Als Sie auch tief Luft holen konnten und ein von ganzem Herzen kommenden "Gott sei Dank" über die Lippen brachten?
Sei es ein erschütterndes Fluchterlebnis oder nur ein kurzer Augenblick, in denen wir um ein Haar einem Unfall entgangen sind.
 Wenn Sie sich an dieses erleichternde Durchatmen erinnern, dann werden Sie auch Noah verstehen,
dann sind wir schon mitten in unserer Sintflutgeschichte
oder genauer: an ihrem Ende.
 Denn vorher ist schon viel passiert; Sie werden sich
erinnern, dass auch Noah das Wasser bis zum Hals gestanden haben muss. Wenn seine Arche auch gehalten haben mag, so gehörte er doch mit seiner Familie und den Tieren zu den einzigen wenigen Überlebenden einer großen Katastrophe.
Mit welcher Erleichterung muss er den Boden unter seinen Füßen gespürt haben, als er aus der Arche stieg.
 Und, liebe Gemeinde, anstatt dass Noah vor Gott über all das Leid klagt, das er gesehen und selbst durchgemacht hat, stattdessen baut er Gott einen Altar, dankt und opfert ihm als Ausdruck seiner Erleichterung.
 Diese Dankbarkeit, dieses ehrliche "Gott sei Dank", bewegt Gott zutiefst. Es bewegt ihn dazu, dass er
künftig keinen Menschen mehr bestrafen will: "Ich will
hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen
willen" und weiter: "Und ich will hinfort nicht mehr
schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe."
 Liebe Gemeinde, was für ein Wort! Es gibt keine Strafe
Gottes mehr. Auch, wenn wir uns noch so weit von Gott
abgewendet und entfernt haben, er will uns nicht mehr
bestrafen für unser Fehlen.
 Hier deutet sich schon im ersten Buch des Alten Testaments das Evangelium Jesu Christi an,
das klingt doch nach der frohen Botschaft von Weihnachten und Ostern!
 Hier ist nicht nur Noah zutiefst erleichtert, sondern
auch Gott ist zutiefst erleichtert, dadurch dass er Gnade
vor Recht ergehen lässt. "Und ich will hinfort nicht mehr
schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe." Es gibt
keine Schläge Gottes mehr für irgendwelche Gemeinheiten und Missetaten unsererseits.
 Nur, ... manchmal fallen wir doch noch auf die Nase,
manchmal schlägt das Schicksal doch zu, und das mitunter ganz schön heftig. Wenn das keine Schläge Gottes sein sollen, wer schlägt uns denn dann?
 Das, liebe Gemeinde, wird wohl kein Mensch je
beantworten und verstehen können. Nur dem einen Wort
dürfen wir Glauben schenken: Das Wort Gottes, das
Gnadenwort, das hinter jedem Gerichtswort in der Bibel
steht. Dieses Wort der Gnade Gottes, das auch uns heute gesagt ist, das ist nichts anderes als das eigentliche Wort Gottes.
Das Wort, das durch seinen Sohn Jesus Christus lebendig geworden ist in unserer Welt und lebendig werden will in unserem Leben.
 Dieses Wort, liebe Gemeinde, kann und wird uns vor dem
Schlimmsten bewahren, so wie es Noah vor der Vernichtung bewahrt hat. Gott hat uns sein Wort gegeben, dass er uns
nie mehr verstoßen will, auch dann nicht, wenn uns das
Wasser bis zum Hals steht.
Denn Gott holt jeden auch aus der tiefsten Dunkelheit heraus, so, wie er seinen Sohn aus dem Tod ins Leben geholt hat.
Denn Gott will, dass wir bei ihm bleiben und mit ihm leben heute und zu jeder Zeit, so, wie er es uns zugesagt hat: "Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht."


Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn all unsere
Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus

Amen.

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